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DURCH KRAUTIGE WILDPFLANZEN SCHLANK UND GESUND
Jeder von uns ist bemüht, seine Lieblinge mit Futter zu versorgen, das sie gerne fressen. Doch genauso, wie man Kinder nicht nur mit Schokolade großziehen
kann, sollte man darauf achten, daß die gereichte Kost nicht nur gerne genommen wird, sondern auch gesund ist. Das bedeutet bei europäischen Landschildkröten: proteinarme, rohfaserhaltige, also ballaststoffreiche Ernährung
mit einem hohen Mineralstoff- und Vitamingehalt sowie Kalziumkarbonat. Mit anderen Worten: zu einem Großteil sollte das Futter aus krautigen Wildpflanzen und Kräutern bestehen, wie z.B.: Löwenzahn, roter und weißer Klee, Spitz-
und Breitwegerich, Winden, Vogelmiere, Huflattich, Pestwurz, Wegmalve,
Brennnessel, Akelei, Giersch, Gänseblümchen, Petersilie, grüner Senf, Fettehenne, Hirtentäschel, Luzerne (natürlich keine Giftpflanzen). Siehe Homepageseite “Kräuter” Siehe unten rechts (weiter zur Roten Liste!)
Dabei ist zu beachten, dass der Calcium- und Rohfasergehalt in der Vegetation mit fortschreitendem Alter zu- und der Proteingehalt abnimmt, also ausgewachsene Pflanzen in der Regel wertvoller sind als zarte Jungpflanzen.
Ballaststoffreiche, harte oder faserige Nahrung verhindert außerdem durch die regelmäßige Abnutzung der Hornleisten die sogenannte Schnabelbildung, erspart den Tieren damit verbundene Beschwerden bei der Futteraufnahme und den
Gang zum Tierarzt. Übermäßige und falsche Fütterung sowie Bewegungsmangel kann zu einer massiven Verfettung der Tiere und damit zu einem Leberschaden und Problemen während des Winterschlafes führen. Wird jedoch viel
kohlenhydratarmes rohfaserreiches Futter verabreicht, kann sich eine gut und warm gehaltene Schildkröte kaum überfressen, da sie nicht mehr fressen kann, als der Magen faßt!
MIKROFLORA VOM FUTTER ABHÄNGIG Kräuterreiches
Heu sollte den Tieren stets zur Verfügung stehen. Da es einen relativ hohen Rohfaseranteil aufweist, regt es den Darm zu vermehrter Aktivität an und bewirkt eine längere Verweildauer und bessere Verwertung des Nahrungsbreies im
Darm. Von der Futteraufnahme bis zur Ausscheidung des entsprechenden Kotes können 15 bis maximal 40 Tage vergehen. Man kann davon ausgehen, daß die Art der Zusammensetzung der Mikroflora (Bakterien und Einzeller) im
Verdauungstrakt der Schildkröte stark vom Futterangebot abhängig ist. Rohfaserreiche Nahrung kann also positiv vorbeugend wirken, aber auch dazu beitragen, die Parasitenbürde befallener Tiere in Grenzen zu halten und sie
fördert das Ausscheiden von Würmern mit dem Kot. Ein weiterer Grund, rohfaserreiches Futter zu geben: An Rohfaser unterversorgte Tiere nehmen zum Ausgleich oft Unmengen an Einstreu, Sand oder Kies auf,
was zu einer hartnäckigen Verstopfung oder gar zu einem tödlich endenden Darmverschluß führen kann. Dieses Fehlverhalten wird manchmal aber auch durch Calciummangel ausgelöst.
BESONDERS HERANWACHSENDE UND WEIBCHEN BRAUCHEN KALK Wo immer Landschildkröten in Freiheit leben, gibt es entweder Kalksteinhügel oder Binnenbecken, wo aus den Bergen kommende, calciumhaltige Flüsse aufgefangen werden, das
Wasser verdunstet und so Calcium abgelagert wird. Die in diesen Gegenden wachsenden Pflanzen besitzen (im Gegensatz zu denen in Nordeuropa) einen hohen Calcium-Gehalt. Darüber hinaus fressen die Schildkröten auch kleine
Kalksteinstücke. Der Bedarf an Kalk, bei in Gefangenschaft lebenden Tieren, kann durch zerstoßene Hühnereierschalen (wegen Salmonellen sollte man sie abkochen!), Sepia-Schale (zerrieben oder ganz), Garnelenschrot oder
handelsübliche Kalkpräparate (möglichst phosphatfreie), gedeckt werden. Kalk ist vor allem für heranwachsende Schildkröten zur Panzerbildung und bei erwachsenen Weibchen zur Bildung der Eierschalen wichtig (laut H. Wilke 1/5 Ei
täglich, vier Wochen vor und vier Wochen nach der Eiablage).
Was die Vitamine angeht: Bei einer abwechslungsreich ernährten und gesunden Schildkröte, die sich regelmäßig im UV-Licht aufhält, ist der Vitaminbedarf in
der Regel gedeckt. Vor einer Überdosierung (vor allem von Vitamin A und D) bei der Zufütterung von vitaminhaltigen Präparaten sei gewarnt! Übrigens: unter "abwechslungsreich" ist keinesfalls das ganze Spektrum der
menschlichen Nahrung zu verstehen. Ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Menü für Landschildkröten bewegt sich -wie schon anfangs erwähnt- im pflanzlichen Bereich. Im Idealfall haben die Tiere so oft wie möglich
Gelegenheit, sich selber auf einer Magerwiese das Futter zusammenzusuchen! Und wenn wir für sie die Futterpflanzen besorgen, sollten wir auf ein gutes Ca:P-Verhältnis achten (Schildkröten benötigen laut A.C. Hightfield ein
Ca:P-Verhältnis von 3-5:1) und gewissenhaft Futterangebote mit negativen Werten (siehe "Rote Liste") vermeiden, bzw. minimieren.
STATT DAMPFAUFZUCHT PFLANZLICHE KOST Auch die Jungtiere europäischer Landschildkröten sind in erster Linie vegetarisch zu ernähren.
Sie weisen dann zwar nicht das Gewicht und die Größe mancher mit reichlich proteinhaltigen Futtermitteln gemästeter gleichaltriger Jungtiere auf, zeichnen sich jedoch durch eine wesentlich geringere Krankheitsanfälligkeit,
längere Lebensdauer und einen schöner gewachsenen, gewölbten und glatten Panzer aus. Das kann man durch ihre Haltung auf leicht feuchtem Bodengrund und stets zur Verfügung stehendem Trinkwasser unterstützen. In der Natur kommt
es in zwei Jahren höchstens zu einer Verdoppelung des Geburtsgewichtes. Nachzuchten aus einer "Dampfaufzucht" versterben oft schon innerhalb von 1-36 Monaten nach dem Schlupf oder leiden als erwachsene Tiere häufig an
Erkrankungen der Nieren und zeichnen sich durch einen flachen Panzer mit Höckern aus. Gegen eine Anreicherung des Grünfutters mit Insekten und Regenwürmern ist bei T. hermanni, T. graeca und T. marginata nichts einzuwenden.
Tiere aus Trockengebieten wie A. horsfieldi sind dagegen rein vegetarisch zu ernähren.
SCHILDKRÖTEN KÖNNEN SICH SCHNELL VERGIFTEN Da Reptilien auf toxische Substanzen viel
empfindlicher als Säuger reagieren, muss das Futter frei von Unkraut- und Insektenvertilgungsmitteln sein. Behaftet ist
u. U nicht nur der behandelte Salat, das Gemüse oder Getreide, sondern auch die benachbart wachsenden
Wildpflanzen! Vergiftungen können auch durch Mineralölprodukte entstehen, die sich z.B. als Asphaltabrieb auf Schnecken und Regenwürmern, die auf der Straße eingesammelt werden, finden. Auch am Straßenrand blühender Löwenzahn
hat nicht "nur" Abgas- u. Aerosolniederschläge, die Mineralölreste enthalten, auf seinen Blättern, sondern daneben einen hohen Anteil an Schwermetallen, besonders Blei, in seinem Gewebe! Also ist es nicht nur von
Wichtigkeit, was wir füttern, sondern auch, woher das Futter stammt! Das gilt auch für zerstoßene Eierschalen. Die Eier sollten von Hühnern stammen, die im Freiland leben. Oft enthalten nämlich die Eier von Käfig-Hühnern
irgendwelche Antibiotika oder Medikamente gegen Darmkrankheiten, aber auch
Farbstoffe, die das Aussehen des Dotters beeinflussen sollen.
HOLZIGE PFLANZEN JA - VERGAMMELTES FUTTER NEIN Eine
"Vermenschlichung" der Tiere ist unangebracht. Schalenloses Obst, zartestes Grünzeug und oft sogar eingeweichtes Brot und Nudeln beeinflussen die Verdauung negativ und nehmen den Tieren zugleich die Möglichkeit,
lebenswichtige Inhaltsstoffe aufzunehmen, die gerade in "alten", bereits mehr oder weniger verholzten Blättern und Schalen enthalten sind (nicht zu verwechseln mit liegengebliebenem, gammeligem Futter im Terrarium,
das selbstverständlich täglich entfernt werden muss - Hygiene ist wichtig!). Landschildkröten fressen in der Natur gewöhnlich nicht die ganze Pflanze. Sie neigen dazu, während des Fressens Kot und Urin abzugeben. Dieses
Verhalten hat in Gebieten mit spärlicher Vegetation einen hohen ökologischen Wert. Sie vernichten ihre Futterpflanze nicht, sondern düngen und wässern sie, bevor sie weiterziehen. In der Gefangenschaft hat dieses instinktive
Verhalten allerdings des Effekt, dass das Tier über den angebotenen Grünfutterberg klettert und ihn mit Ausscheidungen verschmutzt. Die häufig vorhandenen Innenparasiten werden dadurch effektiv verbreitet. Also ist es eine
wichtige Aufgabe des Pflegers, den Futterplatz im Auge zu behalten und zu reinigen. Bei leichtverdaulicher, rohfaserarmer und kohlenhydratreicher Nahrung können sich Würmer und einzellige Parasiten (z.B. Hexamita spp.)
explosionsartig im Magen-Darm-Trakt vermehren und zu klinischen Erkrankungen, vielleicht sogar zum Tod führen.
Wasser sollte immer zur Verfügung stehen. Ganz besonders dann, wenn aufgenommene Chemikalien aus den
Nieren gespült werden sollen, z.B. bei einer Antibiotika-Behandlung, oder auch bei einer hohen Harnstoff-Konzentration in den Nieren, was durch eine falsche Haltungstemperatur passieren kann. Zu beachten ist,
dass die meisten
Landschildkröten nicht aus einem Trinkgefäß, sondern nur badend trinken! Um den Wasserbedarf der Tiere zu decken, sollte man außerdem wasserreiches Gemüse und Obst (Tomaten, Salatgurken, Wassermelonen) anbieten. Um
ausreichend verdauen zu können, benötigen die meisten Schildkrötenarten eine Umgebungstemperatur von mindestens 20 bis 25 Grad Celsius. Zwischen 1o und 15 Grad Celsius läuft die Verdauung derart verzögert ab,
dass mit einer
Darmfäulnis mit Vergiftungserscheinungen zu rechnen ist. Das Futter selbst sollte die Lufttemperatur des Schildkröten-Behälters haben. Zu kaltes Futter (z.B. aus dem Eisschrank) kann zu schweren Darmschädigungen führen.
MILCHPRODUKTE; BROT; NUDELN; KATZEN- UND HUNDEFUTTER SIND TABU Bei einem ausgiebigen Streifzug durch die Schildkrötenliteratur
musste ich feststellen, dass leider nicht von allen Autoren eine gesunde, artgerechte Fütterung
propagiert, sondern auch heute noch in manchen Büchern gedankenlos vorgeschlagen wird, den Landschildkröten Quark, Joghurt, Käse, Babybrei, Milchreis, eingeweichtes Weißbrot, Katzen- und Hundefutter, Nudeln ect. zu geben. Dabei
führen diese für Landschildkröten unnatürlichen Nahrungsmittel auf Dauer
- davon können Tierärzte ein trauriges Lied singen- bei den Tieren zu irreparablen Gesundheitsschäden und einem frühen (unnötigen!) Tod. Diese
Nahrungsmittel sind also, obwohl sie von manchen Tieren gerne gefressen werden, völlig ungeeignet! Es ist grundsätzlich ratsam, auf alles zu verzichten, was Zucker oder Salz enthält.
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